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Der Akzent der geschriebenen Sprache

In Communication, Higher Education, Language on March 13, 2012 by mobiliversity

Eine Amerikanerin spricht Deutsch. Eine arabischsprachige Person spricht Englisch. Ein Russe spricht Französisch. Zugegeben: frau/man glaubt zu wissen, wie das klingt. Und: man/frau empfindet es als fremd, aber nicht zwingend als falsch. 
Doch wie klingt ein geschriebener Text? Und wie fremd darf er klingen? Täglich landen auf meinem Schreibtisch unterschiedliche Texte. Kapitel aus studentischen Abschlussarbeiten, die dem Urteil einer Prüfungskommission standhalten müssen. Seminararbeiten, die ich benote und mit Feedback versehe, in der Hoffnung den Studierenden Hinweise für flüssigeres akademisches Schreiben zu geben. Beiträge von Mitarbeitenden, die vor der Veröffentlichung auf der Website kurz auf  Tippfehler und Wortwiederholungen überprüft werden sollen. Konzeptpapiere mit fachspezifischem Vokabular, aus denen es einen Projektantrag zu schmieden gilt. Die Track-Change-Funktion von Word ist schnell aktiviert, Sprechblase an Sprechblase reiht sich entlang des rechten Seitenrandes.
In den vergangenen Monaten saß ich am anderen Ende einer Korrekturbeziehung. Mein Buchmanuskript von ambitionierten Reihenherausgebern mehrfach retourniert: Passivkonstruktionen wichen Nominalkonstruktionen wichen Infinitivkonstruktionen. Einmal Track-Change und zurück. Schließlich zu viele Austriazismen für eine deutsche Buchreihe in einem deutschen Verlag mit deutschen Leserinnen. Eine Sprechblase sagt mir, dass die Pluralform von Plenum Plenen und nicht Plena lautet.
Unter dem Schlagwort International English diskutieren wir gerade, wie fehlerhaft ein geschriebener englischer Text sein darf, um nicht falsch verstanden zu werden. Darf ein non-native einen non-native lektorieren? Darf ich Studierende einer Business School darauf hinweisen, dass economic und economical andere Bedeutungen haben, obwohl sich der Inhalt ohnedies meist aus dem Kontext erschließt?
Ich kann mir internationales Deutsch gut vorstellen. Etwas mehr Gelassenheit bei Kasus- und Pluralendungen. Ein wenig Freiheit bei Präpositionen. Seminararbeiten und Konzeptpapiere blieben auch so verständlich. Kann ich mir ein Buch vorstellen, geschrieben in internationalem Deutsch, mit fremdem Akzent, nicht behandelt durch Markups und Kommentarfunktion? Ich weiß es nicht. (EK)

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